
"Kitchener and Waterloo Oktoberfest, Oktoberfest come be our guest"... so hört man es auf
www.oktoberfest.ca, der offizielen Homepage des größten canadischen Oktoberfests. Man mag es kaum glauben, es ist sogar das zweit größte Oktoberfest der Welt!
Ich war zwar noch nie in München beim richtigen Oktoberfest gewesen, aber wenn ich doch schon einmal in Kanada bin, dann sollte man sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen. Leichter gesagt als getan! An Tickets zu kommen war gar nicht so einfach. Letzte Woche hatten wir es versucht, aber die großen, bekannten Zelte waren alle schon seit Monaten ausverkauft. Durch Zufall sind wir dann doch noch an Karten für eine Oktoberfest Studentenparty gekommen. Gestern Abend war es dann soweit.
Was habe ich erwartet? Von einem großen Saufgelage bis zu einer ganz langweiligen Veranstaltung war alles dabei.
Was ist es geworden? Ein perfekter Abend mit deutscher Polkamusik, Kanadiern aus dem ganzen Land, teilweise in Trachten und mit lustigen Hütten, und der Erkenntnis, dass man als Deutscher an diesem Abend mit jedem ins Gespräch kommen konnte.
Aber erst noch ein paar Sätze zur Musik. Gespielt hat eine Band aus Waterloo. 6 Mann und deutsche Musik vom Feinsten. Rosamunde, Ein Prosit der Gemütlichkeit und der Ententanz gehörten genau so zum Repertoire wie amerikanische Klassiker von Neil Young. Es war schon irgendwie bizarr, da bin ich 6000 km von Deutschland weg und tanze an einem Freitagabend zu deutschem Schlager. Als ich den Flug gebucht habe, habe ich an vieles Gedacht, aber nicht an so was! Es wäre mir im Traum nicht eingefallen.

Nun zu den Kanadiern. Man muss fairer Weise sagen, sie haben sich mit ihren Outfits Mühe gegeben. Einige Ältere schafften es ganz gut, andere...naja. Auch Chinesen in Dirndl und Lederhose waren dabei. Man hatte sich was ausgedacht. Selbst Christian, mein Mitpraktikant, und ich wollten uns doch ein wenig was besorgen für diesen Abend. Es gibt hier extra einen Oktoberfestladen, der das ganze Jahr über geöffnet hat. Hier kann man alles kaufen, was nur näherungsweise mit Deutschland oder Bayern zu tun hat. Gerne hätten wir noch mehr geholt, aber bei den Preisen blieb uns nichts anderes übrig. Christian hat sich z.B. einen Hut gekauft, den es in Deutschland auch zu Karneval an jeder Ecke gibt (siehe Fotos). Ca. 5€ - hier bezahlt man direkt mal das 5-fache. Mehr als ein doofer Hut ist es für uns deswegen auch nicht geworden. So erklären die Preise auch sicherlich die Outfits, wer Geld hat kauft sich was echt aussehendes, der Rest nicht - wie wahrscheinlich auf den echten Wiesn.
Zum Abschluss noch ein paar Sätze zur Stimmung: Die Leute hier können ausgelassen feiern und hüpfen auch bei Lieder, die sie sonst nicht hören. Es war ein schöner Abend. Mit vielen Feiernden kam man ins Gespräch, konnte gemeinsam Tanzen und so finde ich die Offenheit gegenüber Fremden toll. Ich stelle mir nur noch die Frage, ob dies an den Kanadiern liegt oder ein meiner eigenen Einstellung. Ich werde es die nächsten Monate noch herausfinden. Sicherlich spielt beides eine Rolle.
Eins, zwei, g'suffa!